Der AV-Block ist eine Überleitungsstörung, bei der die elektrische Erregung von den Vorhöfen auf die Herzkammern verzögert oder vollständig unterbrochen wird. Ursache ist eine Störung im AV-Knoten oder in den nachgeschalteten Abschnitten wie dem His-Bündel. Je nach Ausmaß der Leitungsstörung unterscheidet man drei Schweregrade. Im EKG zeigen sie sich vor allem an der PQ-Zeit und am Verhältnis von P-Wellen zu QRS-Komplexen.
Das klinische Spektrum reicht vom harmlosen Zufallsbefund bis zur lebensbedrohlichen Bradykardie. Der AV-Block I° und die Wenckebach-Periodik verlaufen häufig asymptomatisch. Der AV-Block II° Typ Mobitz ist dagegen stets hochpathologisch und kann in einen totalen AV-Block übergehen. Beim AV-Block III° schlagen Vorhöfe und Kammern völlig unabhängig voneinander, und ein Ersatzzentrum muss die Kammern antreiben. Hier drohen Synkopen und Herz-Kreislauf-Versagen, deshalb ist die Schrittmacherimplantation die entscheidende Therapie.
Zusammenfassung
Definition
AV-Block: Überleitungsstörung, bei der die Erregungsüberleitung von den Vorhöfen auf die Kammern verzögert oder sogar komplett unterbrochen ist.
Einteilung: Je nach Ausmaß der Leitungsstörung klassischerweise in drei Schweregrade (I° bis III°).
Grundlagen
Erregungsbildung und Erregungsleitung
Worauf achten im EKG?
- Diagnostisch entscheidend: P-Welle, QRS-Komplex und ganz besonders die PQ-Zeit (PQ-Intervall)
- PQ-Zeit: Abstand vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn des QRS-Komplexes
- Normwert bei Erwachsenen: 0,12 bis 0,20 s
AV-Block I°
- Überleitung im AV-Knoten lediglich verzögert, aber nicht unterbrochen
- EKG-Kriterium: konstant verlängerte PQ-Zeit > 0,20 s (200 ms)
- Jede P-Welle wird übergeleitet: Auf jede P-Welle folgt verlässlich ein QRS-Komplex
- Klinik: in der Regel keine Symptome, meist reiner Zufallsbefund
- Oft keine spezifische Therapie notwendig

AV-Block II°
Sonderfall 2:1-Überleitung
- Nach jeder zweiten P-Welle fällt ein QRS-Komplex aus
- Im Oberflächen-EKG nicht sicher unterscheidbar, ob AV-Block II° Typ 1 oder Typ 2 vorliegt
- Grund: Es ist nicht beurteilbar, ob die PQ-Zeit kontinuierlich zunimmt oder konstant bleibt
- Weitere Abklärung z. B. medikamentös mit Atropin oder mittels Belastungs-EKG

AV-Block III°
- Kompletter bzw. totaler AV-Block: Überleitung zwischen Vorhof und Kammer vollständig unterbrochen
- Vorhöfe (P-Wellen) und Kammern (QRS-Komplexe) schlagen regelmäßig, aber völlig unabhängig voneinander
- Vollständige AV-Dissoziation: kein direkter Zusammenhang zwischen P-Welle und QRS-Komplex
- P-Wellen in gleichmäßigen Abständen, ggf. mit T-Welle/QRS-Komplex verschmolzen
- PP-Intervall deutlich kürzer als RR-Intervall: Vorhoffrequenz höher als Kammerfrequenz
- Ein untergeordnetes Ersatzzentrum muss die Impulsbildung für die Kammern übernehmen
Quellen
Bamberger W. 1×1 der EKG-Interpretation. Berlin: Lehmanns Media; 2015.
Girndt M, Michl P, eds. Innere Medizin hoch2. München: Elsevier; 2023.
Herold G. Innere Medizin: eine vorlesungsorientierte Darstellung : 2025 : unter Berücksichtigung des Gegenstandskataloges für die Ärztliche Prüfung : mit ICD 10-Schlüssel im Text und Stichwortverzeichnis. (Herold G, Beckers H, Lehmann K, eds.). Köln: Gerd Herold; 2025.
Kiening M, Ohly A. EKG endlich verständlich. 4th ed. München: Elsevier; 2022.
Trappe H-J, Schuster H-P. EKG-Kurs für Isabel. 9th ed. Stuttgart ; New York: Georg Thieme Verlag; 2024. doi:10.1055/b000000871.
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Erstellt und geprüft von Dr. med. Michael Thapa, approbierter Arzt · Zuletzt aktualisiert am 16.10.2026



