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Blutgruppen

Physiologie / Blut

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Die Blutgruppen werden anhand spezifischer Antigene auf der Erythrozytenmembran klassifiziert. Am bedeutendsten sind das AB0-System und das Rhesus-System. Im AB0-System bestimmt die Art des Zuckerrests an Glykolipiden die Blutgruppe: A, B, AB oder 0. Entsprechend werden bereits im ersten Lebensjahr Antikörper gegen nicht vorhandene Antigene gebildet. Die Vererbung erfolgt über Chromosom 9 mit drei Allelen (A, B, 0), wobei A und B gegenüber 0 dominant und untereinander kodominant sind.

Das Rhesus-System basiert auf mehreren Antigen, wobei das Antigen D das klinisch bedeutendste ist. Personen mit dem D-Antigen sind rhesus-positiv (Rh⁺), ohne D-Antigen rhesus-negativ (Rh⁻). Nur nach Kontakt mit Rh⁺-Blut bildet ein Rh⁻-Individuum Anti-D-Antikörper, was bei Schwangerschaft oder Transfusion klinisch relevant wird. Die Vererbung erfolgt über Chromosom 1, wobei das D-Allel dominant ist. 

Zusammenfassung

Definition

  • Auf der Membran der Erythrozyten befinden sich Antigene, die für die Einteilung in verschiedene Blutgruppensysteme verantwortlich sind
  • Über 20 Systeme sind bekannt 
  • Klinisch relevant sind v. a. das AB0-System und das Rhesus-System
    • Weitere Einteilung z. B. durch das Kell-System möglich 

AB0-System

Antigene

  • Die Blutgruppe ergibt sich aus der Zuckerstruktur an bestimmten Glykolipiden der Erythrozytenmembran
    • Blutgruppe A → spezifischer Zuckerrest A
    • Blutgruppe B → spezifischer Zuckerrest B
    • Blutgruppe AB → beide Zuckerreste
    • Blutgruppe 0 → nur H-Substanz, kein funktionelles Antigen

Antikörper

  • Im Laufe des 1. Lebensjahres entwickelt der Körper natürliche Antikörper gegen die Antigene, die er selbst nicht besitzt
    • Blutgruppe A → bildet Anti-B
    • Blutgruppe B → bildet Anti-A
    • Blutgruppe 0 → bildet Anti-A und Anti-b
    • Blutgruppe AB → bildet keine Antikörper
AB0 System Übersicht
AB0 System Übersicht

Vererbung

  • Genort: Chromosom 9
  • Es existieren drei Allele: A, B, 0
  • Jeder Mensch besitzt zwei Allele (von Mutter und Vater)
  • A und B sind dominant gegenüber 0
  • A und B sind kodominant zueinander

Häufigkeit in Deutschland

  • Blutgruppe A: ca. 43 %
  • Blutgruppe 0: ca. 41 %
  • Blutgruppe B: ca. 11 %
  • Blutgruppe AB: ca. 5 %
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Rhesus-System

Antigene

  • Zu den wichtigsten Antigenen im Rhesus-System zählen: D, C, c, E, e
  • Das Antigen D ist dabei das klinisch bedeutendste → entscheidet über Status Rhesus-positiv bzw. negativ
    • Rhesus-positiv (Rh⁺): Antigen D ist vorhanden
    • Rhesus-negativ (Rh⁻): kein Antigen D vorhanden (Gen-Deletion, kein funktionelles Protein)

Antikörper

  • Anti-D wird nicht natürlich gebildet
  • Bildung nur nach Kontakt mit D-Antigen → z. B. Transfusion oder fetomaternaler Blutübertritt in der Schwangerschaft
  • Gefahr: Sensibilisierung bei rhesus-negativen Frauen → Gefahr bei Folgeschwangerschaften

Vererbung

  • Genort: Chromosom 1
  • Allel D ist dominant über Allel d
  • Genotyp D/D oder D/d → rhesus-positiv
  • Genotyp d/d → rhesus-negativ
  • Unabhängig vom AB0-System vererbt

Häufigkeit in Deutschland

  • Rhesus-positiv (Rh⁺): ca. 85 %
  • Rhesus-negativ (Rh⁻): ca. 15 %

Kompatibilität der Blutgruppen

AB0-Kompatibilität (Erythrozyten):

  • 0 → an alle (Universalspender)
  • A → an A und AB
  • B → an B und AB
  • AB → nur an AB

Rhesus-Kompatibilität:

  • Rh⁺-Empfänger: kann Rh⁺ oder Rh⁻ erhalten
  • Rh⁻-Empfänger: darf nur Rh⁻ erhalten

Spezialfälle:

  • Universalspender für Erythrozyten: 0−
  • Universalempfänger für Erythrozyten: AB+
Beispiel Empfänger Blutgruppe A
Beispiel Empfänger Blutgruppe A
Blutgruppe 0 - Universalspender
Blutgruppe 0 – Universalspender
Blutgruppe AB - Universalempfänger
Blutgruppe AB – Universalempfänger
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Quellen

Brenner B. Physiologie. 9th ed. (Pape H-C, Kurtz A, Silbernagl S, eds.). Stuttgart ; New York: Georg Thieme Verlag; 2019. doi:10.1055/b-006-163285.

DRK-Blutspendedienste. Blutgruppen und ihre Verteilung in der Bevölkerung. DRK-Blutspende. Zugriff am 22. Juni 2025. Verfügbar unter: Link

Heinrich PC, Müller M, Graeve L, eds. Löffler/Petrides Biochemie und Pathobiochemie. 9th ed. Berlin ; Heidelberg: Springer; 2014.

Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und richten sich insbesondere an Studierende und Fachpersonal im Gesundheitswesen. Sie ersetzen nicht die Beratung, Diagnose oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte oder andere medizinische Fachpersonen.