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Hypothyreose

Klinik / Innere Medizin

Die Hypothyreose beschreibt eine Unterfunktion der Schilddrüse mit unzureichender Produktion von T3 und T4. Die häufigste Form ist die primäre Hypothyreose, deren häufigste Ursache die Hashimoto-Thyreoiditis ist. Mögliche klinische Symptome sind eine Antriebsarmut, Kälteintoleranz, Bradykardie, Gewichtszunahme, Obstipation sowie trockene Haut.

Der zentrale Diagnostikparameter ist der TSH-Wert und eine primäre Hypothyreose bei Normalbefund praktisch ausschließt. Zur weiteren Beurteilung erfolgt die Bestimmung von fT4. Die Therapie der manifesten Hypothyreose erfolgt mit L-Thyroxin, das nüchtern eingenommen wird und bei einer Hashimoto-Thyreoiditis meist lebenslang notwendig ist.

Zusammenfassung

Definition

Hypothyreose: Unterfunktion der Schilddrüse mit unzureichender Produktion von Schilddrüsenhormonen (T3/T4).

Latente Hypothyreose: TSH erhöht, fT4 noch normal, klinisch meist asymptomatisch oder nur mild symptomatisch.

Manifeste Hypothyreose: TSH erhöht und fT4 erniedrigt, klinische Symptome vorhanden. 

Klassifikation nach Ursache

  • Primäre Hypothyreose: Störung auf Ebene der Schilddrüse selbst (häufigste Form)
  • Sekundäre Hypothyreose: Störung auf Ebene der Hypophyse 
  • Tertiäre Hypothyreose: Störung auf Ebene des Hypothalamus 
Hypothyreose - Klassifikation nach Ursache
Hypothyreose – Klassifikation nach Ursache

Epidemiologie

  • Frauen häufiger betroffen als Männer 
  • Prävalenz latente Hypothyreose: 3–10 %
  • Anstieg der Häufigkeit mit zunehmendem Lebensalter

Ätiologie & Pathophysiologie

Gestörter Regelkreis bei einer primären Hypothyreose

  • Schilddrüse produziert zu wenig Hormone (T3/T4 ⬇️)
  • Fehlendes negatives Feedback
  • TRH und TSH steigen kompensatorisch an
Primäre Hypothyreose - Pathogenese
Primäre Hypothyreose – Pathogenese

Häufige Ursachen einer primären Hypothyreose

  • Hashimoto-Thyreoiditis: häufigste Ursache; Autoimmunerkrankung mit schrittweiser Zerstörung des Schilddrüsengewebes
  • Iatrogen: nach Schilddrüsenoperation, Bestrahlung der Halsregion, Radioiodtherapie
  • Medikamente: Lithium, Amiodaron, Thyreostatika
  • Angeborene Hypothyreose (Aplasie/Dysplasie der Schilddrüse)
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Symptome

ZNS & Psyche

  • Allgemein: Ausgeprägte Antriebsarmut, Ermüdbarkeit, Verlangsamung, Kälteintoleranz
  • Verlangsamte Sehnenreflexe (insb. Achillessehnenreflex)

Dermatologisch

  • Trockene, schuppige, kühle Haut
  • Sprödes, brüchiges Haar (ggf. Haarausfall)
  • Fortgeschrittenes Stadium: Myxödem (Teigige Schwellung → nicht eindrückbar)

Metabolismus

  • Gewichtszunahme
  • Obstipation

Herz-Kreislauf

  • Bradykardie

Gynäkologisch

  • Menstruationsstörungen
  • Unfruchtbarkeit
  • Erhöhte Abortrate

💡 Beachte: Bei älteren Personen oft Symptome (Depression, Gedächtnisstörungen, motorische Verlangsamung) of unspezifisch! Gefahr der Fehldiagnose als normale „Alterserscheinung“

Differentialdiagnosen

  • Depression
  • Anämie
  • Low-T3-Syndrom: bei schwer kranken Personen (z. B. intensivmedizinische Behandlung) erniedrigtes T3 bei normalem TSH

Diagnostik

Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Schilddrüsenerkrankungen in der Familie?
  • Vorherige Schilddrüsenoperationen?
  • Bestrahlungen im Halsbereich?

Labor

  • TSH: zentraler Screeningparameter → normaler TSH schließt primäre Hypothyreose praktisch aus
  • fT4: Bestimmung bei erhöhtem TSH → unterscheidet latente von manifester Hypothyreose
  • Schilddrüsen-Antikörper: einmalig bei latenter Hypothyreose zur Abklärung einer Hashimoto-Thyreoiditis möglich
    • TPO-Antikörper: bei Hashimoto-Thyreoiditis ca. 95 % positiv
    • Tg-Antikörper: bei Hashimoto-Thyreoiditis ca. 70 % positiv
    • Bei manifester Hypothyreose hat Antikörpernachweis keine therapeutischen Konsequenzen
  • Blutfettwerte (Gesamt-Cholesterin, Triglyceride, …)

Bildgebung

  • Schilddrüsen-Sonographie: bei klinischem Verdacht oder Hashimoto-Thyreoiditis; nicht routinemäßig laut DEGAM-Leitlinie bei allein erhöhtem TSH-Wert
Hypothyreose - Diagnostik
Hypothyreose – Diagnostik
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Therapie

Manifeste Hypothyreose

  • Mittel der Wahl: L-Thyroxin (Levothyroxin) → synthetisches T4
  • Einnahme: nüchtern, 30 Minuten vor dem Frühstück
  • Dosierung: Beginn mit niedriger Initialdosis, schrittweise Anpassung bis TSH und Symptome normalisiert
  • Verlaufskontrollen: alle 6–12 Monate nach Einstellung der Erhaltungsdosis

Latente Hypothyreose

  • Therapieentscheidung (L-Thyroxin) individuell 
  • Abhängig von TSH-Wert, klinischen Beschwerden, Geschlecht, Alter
  • Nicht automatisch behandlungspflichtig

Komplikationen

Myxödemkoma
Definition: Seltene, aber lebensbedrohliche Dekompensation einer (oft unbehandelten) schweren Hypothyreose → hohe Letalität
Auslöser: z. B. Infektionen, Operationen

Klinik: 

  • Bewusstseinstrübung bis Koma
  • Hypothermie
  • Hypoventilation
  • Bradykardie

Prognose

  • Insgesamt sehr gut bei rechtzeitiger Diagnose und adäquater Therapie
  • Unter L-Thyroxin normalisieren sich TSH-Werte und Beschwerden meist innerhalb weniger Monate
  • Hashimoto-Thyreoiditis: in der Regel lebenslange Substitution notwendig (fortschreitende Drüsenzerstörung)
    • Regelmäßige TSH-Kontrollen dauerhaft erforderlich
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Quellen

Allelein S. Innere Medizin hoch2. 1st ed. (Girndt M, Michl P, eds.). München: Elsevier; 2023.

Arastéh K, Baenkler H-W, Bieber C, et al. Innere Medizin. 5th ed. Stuttgart: Thieme; 2024.

Braun J, Dormann A. Klinikleitfaden Innere Medizin. 16th ed. (Braun J, Dormann A, eds.). München: Elsevier; 2026. doi:10.1016/C2022-0-02843-9.

Herold G. Innere Medizin: eine vorlesungsorientierte Darstellung : 2025 : unter Berücksichtigung des Gegenstandskataloges für die Ärztliche Prüfung : mit ICD 10-Schlüssel im Text und Stichwortverzeichnis. (Herold G, Beckers H, Lehmann K, eds.). Köln: Gerd Herold; 2025.

Schübel J, Voigt K, Uebel T; Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis: S2k-Leitlinie. DEGAM-Leitlinie Nr. 18; AWMF-Register-Nr. 053-046. DEGAM; 2023. Zugriff am 13.04.2025. Verfügbar unter: Link

Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und richten sich insbesondere an Studierende und Fachpersonal im Gesundheitswesen. Sie ersetzen nicht die Beratung, Diagnose oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte oder andere medizinische Fachpersonen.