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Harntrakt

Embryologie / Organogenese

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Die Entwicklung des Harntrakts beginnt im intermediären Mesoderm, das sich im Zuge der lateralen Abfaltung nach ventral verlagert und die Urogenitalleiste bildet. Daraus entstehen getrennt die Anlagen für Niere und Harnwege einerseits sowie für die Geschlechtsorgane andererseits. Die Nierenentwicklung erfolgt in drei aufeinanderfolgenden Stadien: Zunächst entsteht die funktionslose Vorniere (Pronephros), gefolgt von der kurzzeitig aktiven Urniere (Mesonephros). Die definitive Niere, die Nachniere (Metanephros), bildet sich ab der 5. Woche aus der Wechselwirkung von Ureterknospe und metanephrogenem Blastem.

Die Nachniere entsteht zunächst im kleinen Becken und verlagert sich durch das Wachstum des Embryos nach kranial (Aszensus). Dabei verändert sich ihre Blutversorgung, wobei akzessorische Nierenarterien persistieren können. Die ableitenden Harnwege gehen nicht aus dem Mesoderm, sondern aus dem entodermalen Sinus urogenitalis hervor. Dieser entsteht durch Teilung der Kloake, wobei der Allantoisgang sich später zum Urachus zurückbildet. Die weibliche Harnröhre entsteht vollständig aus dem Sinus urogenitalis, beim Mann stammt der distale Teil hingegen aus dem Oberflächenektoderm.

Zusammenfassung

Ursprung der Nierenanlagen

  • Ausgangspunkt der Nierenentwicklung: Intermediäre Mesoderm
    • Liegt zwischen paraxialem Mesoderm (medial) und Seitenplattenmesoderm (lateral)
  • Durch laterale Abfaltung wird das intermediäre Mesoderm nach ventral verlagert
  • Bildet die Urogenitalleiste → In zwei Abschnitte unterteilt
    • Nephrogener Strang → Entwicklung von Niere und Harnwegen
    • Genitalleiste → Entwicklung von Hoden bzw. Ovarien
  • Insgesamt werden nacheinander drei verschiedene Entwicklungsstadien angelegt:
    • Vorniere (Pronephros)
    • Urniere (Mesonephros)
    • Nachniere (Metanephros)
Nierenanlagen - Überblick
Nierenanlagen – Überblick

Vorniere (Pronephros)

  • Entstehen ca. in der 4. Entwicklungswoche (p.c.) im kranialen Bereich des Embryos (Halsregion)
  • Weitgehend funktionslos
  • Rückbildung bereits kurze Zeit später

Urniere (Mesonephros)

  • Entstehen Ende der 4. Entwicklungswoche (p.c.) kaudal der Vornieren
  • Funktionelle Übergangsniere mit rudimentären Nephronen (Glomeruli + Tubuli)
  • Urnierengang (Wolff-Gang) transportiert den Harn → Mündung in die Kloake
  • Rückbildung Ende 1. Trimester
    • Beim Mann: Teile bleiben erhalten → Entwicklung von Ductus deferens, Nebenhodengang
    • Bei der Frau: vollständige Rückbildung
Urniere (Mesonephros)
Urniere (Mesonephros)
Urniere - Anschnitt
Urniere – Anschnitt

Nachniere (Metanephros)

  • Entstehung ab der 5. Entwicklungswoche (p.c.)
  • Bleibende (definitive) Niere
  • Bildung durch Wechselwirkung zweier Strukturen:
    • Ureterknospe: Aussprossung des Urnierengangs → bildet Ureter, Nierenbecken, Nierenkelche, Sammelrohre
    • Metanephrogenes Blastem: mesenchymale Zellen aus nephrogenem Strang → Differenzierung zu Nephronen
    • Über eine reziproke Induktion beeinflussen sich beide Strukturen gegenseitig
Bildung der Nachnieren - Reziproke Induktion
Bildung der Nachnieren – Reziproke Induktion
Bildung der Nachnieren
Bildung der Nachnieren
Nachnieren - Nephrone Aufbau
Nachnieren – Nephrone Aufbau

Aszensus der Niere

  • Die Nachniere entsteht initial im kleinen Becken
  • Durch Längenwachstum des kaudalen Ende des Embryos → passiver Aszensus der Niere nach kranial
  • Die Blutversorgung passt sich schrittweise an:
    • Zunächst aus Aa. iliacae
    • Später aus der Aorta abdominalis
    • Kaudale Gefäße obliterieren, aber in ca. 25 % persistieren akzessorische Nierenarterien
  • Abschluss des Aszensus etwa in der 9. Entwicklungswoche (p.c.) → Lage unterhalb der Nebennieren
    • Ursprung Nebennieren: Entwicklung unabhängig aus den Neuralleistenzellen (Ektoderm)
Nierenaszensus
Nierenaszensus
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Entwicklung der unteren Harnwege

  • Entstehung nicht aus dem Mesoderm, sondern aus dem Entoderm (Teil des Hinterdarms)
  • Kloake: gemeinsames Ende von Urogenitaltrakt und Darmrohr
  • Durch Bildung eines Septum urorectale → Aufteilung in:
    • Rektum (dorsal)
    • Sinus urogenitalis (ventral) → Ursprung von Harnblase und Harnröhre
  • Allantois zieht vom Sinus urogenitalis in Richtung Nabel → bildet sich zurück zum sog. Urachus
    • Urachus obliteriert → wird zum Lig. umbilicale medianum
    • Persistenz → Urachusfistel mit Urinaustritt am Nabel
Untere Harnwege - Kloake
Untere Harnwege – Kloake
Entwicklung Untere Harnwege - Unterteilung Kloake
Entwicklung Untere Harnwege – Unterteilung Kloake
Entwicklung Untere Harnwege - Überblick spätere Strukturen
Entwicklung Untere Harnwege – Überblick spätere Strukturen

Besonderheiten Entwicklung Harnröhre

  • Weiblich: vollständig aus Sinus urogenitalis
  • Männlich: Proximaler Teil aus Sinus urogenitalis; Distaler Teil (innerhalb Glans penis) aus Oberflächenektoderm
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Quellen

Aumüller G, Aust G, Engele J, et al. Anatomie. 5th ed. Stuttgart: Thieme; 2020.

embryology.ch. Harntrakt. In: Human-Embryologie. Modul 20. Zugriff am 15. Februar 2023. Verfügbar unter: Link

Moore KL, Persaud TVN, Torchia MG. Embryologie: Entwicklungsstadien, Frühentwicklung, Organogenese, Klinik. 6th ed. München: Elsevier, Urban & Fischer; 2013.

Ulfig N, Brand-Saberi B. Kurzlehrbuch Embryologie. 3rd ed. Stuttgart ; New York: Georg Thieme Verlag; 2017.

Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und richten sich insbesondere an Studierende und Fachpersonal im Gesundheitswesen. Sie ersetzen nicht die Beratung, Diagnose oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte oder andere medizinische Fachpersonen.