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EKG Grundlagen

Physiologie / Herz

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Das Elektrokardiogramm (EKG) ist ein zentrales diagnostisches Instrument zur Beurteilung der elektrischen Aktivität des Herzens. Es dient der Erkennung von Herzrhythmusstörungen, Ischämien, Hypertrophien, Elektrolytstörungen und der Bestimmung des Lagetyps. Grundlage ist die Erregungsausbreitung im Herzen, die elektrische Dipole erzeugt. Diese Dipole erzeugen Vektoren, deren Summation als elektrische Potenzialdifferenz über Elektroden an der Körperoberfläche messbar ist. Das EKG ist einfach durchzuführen, nicht-invasiv, schnell und kostengünstig.

Die EKG-Messung basiert auf dem Prinzip, dass zwei Elektroden eine Ableitungslinie bilden. Je nach Richtung des Summenvektors entstehen positive oder negative Ausschläge. Nur Änderungen – also Depolarisationen oder Repolarisationen – sind im EKG sichtbar. Typische Bestandteile sind P-Welle, PQ-Strecke, QRS-Komplex, ST-Strecke, T-Welle sowie QT- und PQ-Zeit. Das 12-Kanal-EKG besteht aus 6 Extremitäten- und 6 Brustwandableitungen. Diese liefern ein umfassendes Bild der elektrischen Aktivität in Frontal- und Horizontalebene. Verschiedene Ableitungssysteme wie Einthoven-, Goldberger- und Wilson-Ableitungen ermöglichen dabei eine differenzierte Betrachtung.

Zusammenfassung

Verwendung des EKGs

  • Das Elektrokardiogramm (EKG) ist eine zentrale Methode zur Beurteilung der elektrischen Aktivität des Herzens
  • Es ermöglicht Aussagen zu:
    • Herzfrequenz (z. B. Sinusbradykardie, Tachykardie)
    • Rhythmus (z. B. Vorhofflimmern, AV-Block)
    • Lagetyp (z. B. Linkstyp bei Linkshypertrophie)
    • Ischämiezeichen (z.B. ST-Hebung, ST-Senkung, T-Inversion)
    • Hypertrophiezeichen (z. B. R/S-Verhältnis, Sokolow-Lyon-Kriterium)
    • Elektrolytstörungen (z. B. T-Wellen-Veränderungen bei Hyperkaliämie)
  • Es ist schnell, kostengünstig, nicht-invasiv und unkompliziert verfügbar

Physiologischer Hintergrund

  • Das Herz besitzt ein eigenes Erregungsleitungssystem, das elektrische Impulse erzeugt und weiterleitet:
    • Start im Sinusknoten → Vorhoferregung
    • Weiter zum AV-Knoten (physiologische Verzögerung zur Kammerfüllung)
    • Dann über das His-Bündel → Tawara-Schenkel → Purkinje-Fasern
  • Bei Erregung kehrt sich das Membranpotenzial der Herzmuskelzellen lokal um:
    • Innen positiv (durch Kationen-Einstrom), außen negativ → elektrischer Dipol entsteht
  • Der Dipol erzeugt ein elektrisches Feld, das sich als Vektor (Betrag + Richtung) beschreiben lässt.
  • Bei der Erregung sind große Zellverbände beteiligt → Im Raum sind Zellen daher z.T. anders ausgerichtet
    • Ergebnis: Viele einzelne Feldstärkevektoren mit unterschiedlicher Ausrichtung
    • Summieren der einzelnen Vektoren zu einem Summenvektor → Aufzeichnung im EKG
Erregungsleitungssystem - Überblick
Erregungsleitungssystem – Überblick
Elektrische Feldstärke - Darstellung (vereinfacht)
Elektrische Feldstärke – Darstellung (vereinfacht)
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Prinzip der EKG-Messung

  • Zwei Elektroden bilden eine Ableitungslinie, entlang derer die Potentialdifferenz gemessen wird.
  • Richtung des Summenvektors relativ zur Ableitung bestimmt den Ausschlag:
    • Vektor zeigt zur positiven Elektrode → positiver Ausschlag (nach oben)
    • Vektor zeigt weg von positiver Elektrode → negativer Ausschlag (nach unten)
  • Nur Änderungen der Erregung (also Depolarisation oder Repolarisation) messbar
    • Bei gleichmäßig erregtem Gewebe (alle Zellen erregt) → isoelektrische Nulllinie.

Bestandteile des EKGs

EKG Wellen - Überblick
EKG Wellen – Überblick

P-Welle

  • Entsteht durch die Erregung der Vorhöfe
  • Wichtig: Initiale Erregung des Sinusknotens nicht darstellbar im EKG (Zellmasse zu gering)

PQ-Strecke

  • Überleitung der Erregung auf die Kammern
  • Abschnitt zwischen P-Welle und Q-Zacke
  • Keine messbare Spannungsänderung (zu wenig Zellen gleichzeitig erregt) → isolektrische Linie 

Q-Zacke

  • Erregung Teil des Kammerseptums
  • Zunächst rückläufig in Richtung Herzbasis  

R-Zacke

  • Erregung der Kammern von der Herzbasis zur Herzspitze
    • Richtung: von innen nach außen
  • Zeitgleich: Erregungsrückbildung (Repolarisation) der Vorhöfe
    • Im EKG nicht erkennbar, da sie durch den QRS-Komplex überlagert werden

S-Zacke

  • Erregung der basolateralen Bereiche der linken Kammer

ST-Strecke

  • Kammermuskulatur vollständig erregt
  • Isoelektrische Linie

T-Welle

  • Erregungsrückbildung (Repolarisation) der Kammern
    • Richtung: von außen nach innen 
    • Summenvektor zeigt vom erregten Gewebe in Richtung nicht erregtem Gewebe

PQ-Intervall (PQ-Zeit)

  • Gemessene Zeit vom Beginn P-Welle bis Beginn Q-Zacke
  • Normwert: ≤ 200 ms

QT-Intervall (QT-Zeit)

  • Gemessene Zeit vom Beginn Q-Zacke bis Ende T-Welle
  • Abhängig von der Herzfrequenz:
    • Hohe Frequenz = Verkürztes QT-Intervall
    • Niedrige Frequenz = Verlängertes QT-Intervall
  • Lösung: Berechnung frequenzkorrigierte QT-Intervall (QTc)
    • Normwerte QTc: ♂: ≤ 0,45s   ♀: ≤ 0,46s
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12-Kanal-EKG im Detail

  • Standard-EKG = 12-Kanal-EKG
    • 6 Extremitätenableitungen (I, II, III, aVR, aVL, aVF)
    • 6 Brustwandableitungen (V1–V6)
  • Aufbau: 9 Elektroden + 1 Erdungselektrode
EKG Elektroden Position
EKG Elektroden Position

Position und Farbkodierung der Elektroden

  • Rechter Arm: rot
  • Linker Arm: gelb
  • Linker Fuß: grün
  • Rechter Fuß: schwarz
  • V1: 4. ICR rechts (am Sternumrand): rot
  • V2: 4. ICR links (am Sternumrand): gelb
  • V3: Zwischen V2 und V4 (5. Rippe): grün
  • V4: 5. ICR links medioklavikulär: braun
  • V5: Gleiche Höhe wie V4 (vordere Axillarlinie): schwarz
  • V6: Gleiche Höhe wie V4 (mittlere Axillarlinie): lila

💡 Merkhilfe 1: 

  • Ampel-Prinzip (Erst rot, dann gelb, dann grün)

💡 Merkhilfe 2 für die Brustwandableitungen: 

  • Ampel-Prinzip (Erst rot, dann gelb, dann grün)
  • Kuchen backen (Kuchen gebacken = braun, Kuchen verbrannt = schwarz, Anschließende Glasur = lila)

Einthoven-Ableitungen

  • Bipolare Extremitätenableitungen
    • Messung die Potentialdifferenz zwischen zwei Elektroden
  • Darstellung der Erregungsleitung in der Frontalebene
    • Ableitung I: Elektrode rechter Arm <> Elektrode linker Arm
    • Ableitung II: Elektrode rechter Arm <> Elektrode linkes Bein
    • Ableitung III: Elektrode linker Arm <> Elektrode linkes Bein

Goldberger-Ableitungen

  • Unipolare Extremitätenableitungen 
    • Messung der Potentialdifferenz an einer differenten Elektrode
    • Anderen beiden Elektroden als Nullpunkt über Widerstände zusammengeschaltet
  • Darstellung der Erregungsleitung in der Frontalebene
    • Ableitung aVR (augmented Voltage Right): Differente Elektrode rechter Arm
    • Ableitung aVL(augmented Voltage Left): Differente Elektrode linker Arm
    • Ableitung aVF (augmented Voltage Foot): Differente Elektrode linkes Bein

Wilson-Ableitungen

  • Unipolare Brustwandableitungen
    • Messung der Potentialdifferenz an einer differenten Elektrode
    • Extremitätenelektroden werden als Nullpunkt zusammengeschaltet 
  • Darstellung der Erregungsleitung in der Transversalebene
    • Ableitungen V1 bis V6 (Lage siehe oben)
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Quellen

Behrends JC, Bischofberger J, Deutzmann R, Ehmke H, Frings S. Physiologie. 4th ed. Stuttgart: Thieme; 2021. doi:10.1055/b000000462.

Hick C, Hick A. Kurzlehrbuch Physiologie. 9th ed. München: Elsevier; 2020.

Horacek T. Der EKG-Trainer: 259 EKG-Einzeldarstellungen, 67 Abbildungen. 4th ed. Stuttgart ; New York ; Dehli: Georg Thieme Verlag KG; 2018. doi:10.1055/b-005-143662.

Schmidt RF, Lang F, Heckmann M, eds. Physiologie des Menschen: mit Pathophysiologie : mit Online-Repetitorium. 31st ed. Berlin ; [Heidelberg]: Springer; 2017.

Speckmann E-J, Hescheler J, Köhling R, Alzheimer C. Physiologie: das Lehrbuch. 7th ed. (Speckmann E-J, Hescheler J, Köhling R, eds.). München: Elsevier, Urban & Fischer; 2019.

Trappe H-J, Schuster H-P. EKG-Kurs für Isabel. 8th ed. Stuttgart ; New York: Georg Thieme Verlag; 2020. doi:10.1055/b000000429.

Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und richten sich insbesondere an Studierende und Fachpersonal im Gesundheitswesen. Sie ersetzen nicht die Beratung, Diagnose oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte oder andere medizinische Fachpersonen.