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Spezifische Immunabwehr

Physiologie / Blut

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Die spezifische Immunabwehr ist ein erworbener Teil des Immunsystems und reagiert zielgerichtet auf bestimmte Antigene. Sie besteht aus zellulären und humoralen Komponenten. Zentral sind die T-Lymphozyten, die im Thymus reifen und in CD4-positive und CD8-positive T-Lymphozyten unterteilt werden. Ihre Aktivierung erfordert den Kontakt mit antigenpräsentierenden Zellen (APZs) über MHC-Proteine sowie zusätzliche Co-Stimulationssignale. CD4-positive T-Zellen werden durch Präsentation von Antigenen über MHC-II aktiviert und differenzieren sich u. a. zu Th1– oder Th2-Zellen, während CD8-positive T-Zellen durch MHC-I-Präsentation aktiviert werden und zu zytotoxischen T-Zellen (T-Killerzellen) reifen, die virusinfizierte oder entartete Zellen abtöten.

Im humoralen Teil spielen die B-Lymphozyten eine zentrale Rolle. Nach ihrer Aktivierung durch ein passendes Antigen und die Interaktion mit Th2-Zellen entwickeln sie sich zu Antikörper-produzierenden Plasmazellen oder Gedächtniszellen. Antikörper bestehen aus zwei schweren und zwei leichten Ketten, besitzen eine variable Region zur Antigenbindung (Fab) und eine konstante Region (Fc) für Effektorfunktionen wie Aktivierung von Phagozyten oder Komplementaktivierung. Es gibt fünf Antikörperklassen (IgM, IgG, IgA, IgE, IgD), die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Die enorme Vielfalt der Antikörper entsteht durch VDJ-Rekombination und somatische Mutationen.

Zusammenfassung

Definition

Die spezifische (adaptive) Immunabwehr ist die zweite Verteidigungslinie unseres Immunsystems. Im Gegensatz zur angeborenen (unspezifischen) Immunabwehr ist sie:

  • Antigenspezifisch: reagiert gezielt auf ein bestimmtes Erregermerkmal
  • Erlernt: wird im Laufe des Lebens durch Kontakt mit Antigenen erworben
  • Gedächtnisbildend: reagiert bei erneutem Kontakt schneller und stärker

Sie besteht aus zwei Hauptkomponenten:

  • Zellulär – vermittelt durch T-Lymphozyten
  • Humoral – vermittelt durch B-Lymphozyten und Antikörper

T-Zell-vermittelte Immunantwort 

Bildung & Reifung

  • T-Zellen entstehen im Knochenmark und reifen im Thymus aus
  • Während der Reifung durchlaufen sie zwei zentrale Selektionsprozesse:
    • Positive Selektion: Prüfung, ob der T-Zell-Rezeptor (TCR) körpereigene MHC-Moleküle erkennt
    • Negative Selektion: Elimination von Zellen, die körpereigene Antigene zu stark erkennen (→Verhinderung von Autoimmunreaktionen)
T-Lymphozyten Reifung - Positive Selektion
T-Lymphozyten Reifung – Positive Selektion
T-Lymphozyten Reifung - Negative Selektion
T-Lymphozyten Reifung – Negative Selektion

Die überlebenden T-Zellen exprimieren entweder:

  • CD4 → CD4+ T-Lymphozyten
  • CD8 → CD8+ T-Lymphozyten

Aktivierung 

  • In den sekundären lymphatischen Organen (z.B. Lymphknoten)
  • Voraussetzung ist die Antigenpräsentation durch spezialisierte Zellen
    • Antigenpräsentierende Zellen (APZs): Dendritische Zellen, Monozyten bzw. Makrophagen, B-Zellen
  • Präsentation von Antigenen über MHC-Proteine
    • CD4+ T-Lymphozyten erkennen Antigene über MHC-II 
    • CD8+ T-Lymphozyten erkennen Antigene über MHC-I 

💡 Merkhilfe: Zahl 8
(CD) 4 x (MHC) 2 = 8
(CD) 8 x (MHC) 1 = 8

Differenzierung

  • Zusätzlich zur TCR-MHC-Interaktion sind kostimulatorische Signale (z. B. CD28 – B7) und Zytokine notwendig
  • CD4+ T-Lymphozyten → T-Helferzellen (TH-Zellen)
    • TH1-Zellen: aktivieren Makrophagen und fördern zelluläre Immunantwort
    • TH2-Zellen: fördern die Aktivierung von B-Zellen zur Antikörperproduktion
  • CD8+ T-Lymphozyten → Zytotoxische T-Zellen (T-Killerzellen)
    • Erkennen virusinfizierte oder entartete Zellen über MHC-I
    • Induzieren Apoptose über Perforin und Granzym
CD4+ T-Lymphozyten - Aktivierung
CD4+ T-Lymphozyten – Aktivierung
CD8+ T-Lymphozyten - Aktivierung
CD8+ T-Lymphozyten – Aktivierung
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B-Zell-vermittelte Immunantwort

Bildung & Reifung

  • B-Lymphozyten entstehen und reifen im Knochenmark
  • Reife B-Lymphozyten tragen auf ihrer Oberfläche den B-Zell-Rezeptor (BZR)
    • Es handelt sich dabei um einen membranständigen Antikörper (IgM oder IgD)
  • B-Zellen sind auch antigenpräsentierende Zellen (APZs) und präsentieren internalisierte Antigene über MHC-II

Aktivierung

  • B-Lymphozyt bindet mit seinem B-Zell-Rezeptor ein spezifisches Antigen
  • Das Antigen wird aufgenommen, prozessiert und über MHC-II präsentiert
  • Eine passende TH2-Zelle erkennt das präsentierte Antigen über ihren TCR
  • CD40 – CD40L-Interaktion + Zytokine (z. B. IL-4) → vollständige Aktivierung

Differenzierung

  • Aktivierte B-Zellen differenzieren zu:
    • Plasmazellen: produzieren große Mengen spezifischer Antikörper
    • Gedächtniszellen: sorgen für schnelle und effektive Sekundärantwort (Immunologisches Gedächtnis)
B-Lymphozyten - Aktivierung
B-Lymphozyten – Aktivierung
B-Lymphozyten - Effektorzellen
B-Lymphozyten – Effektorzellen
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Antikörper (Immunglobuline)

Aufbau

Bestehen aus:

  • 2 schweren Ketten (H-Ketten) → bestimmen Antikörperklasse (α, δ, ε, γ, µ-Kette)
  • 2 leichten Ketten (L-Ketten) → λ (Lambda) oder κ (Kappa) Kette

💡Merkhilfe: Leichte Kette

Struktur:

  • Fab-Region: bindet Antigen (2 Bindungsstellen pro Antikörper)
  • Fc-Region:  vermittelt Effektorfunktionen (z. B. Bindung an Fc-Rezeptoren, Komplementaktivierung)
  • Variable Region: Teil der Fab-Region, bestimmt welches Antigen gebunden werden kann
  • Konstante Region: Bei allen Antikörpern einer Klasse weitestgehend konstant
Antikörper - Aufbau
Antikörper – Aufbau
Antikörper - Aufbau (Variable und Konstante Region)
Antikörper – Aufbau (Variable und Konstante Region)

Antikörperdiversität

Große Anzahl an möglichen Antikörperbindungsstellen entsteht durch:

  • VDJ-Rekombination
    • Neukombination von Genabschnitten (V-Segment, D-Segment, J-Segment) für die variablen Regionen der H-Kette und L-Kette
    • Beachte: bei der L-Kette werden nur das V-Segment und das J-Segment rekombiniert
    • Aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Genabschnitten, entsteht so eine enorme Bandbreite an möglichen Antigenbindungsstellen
  • Kombination der variabler Region von H- und L-Kette
  • Somatische Hypermutation nach Antigenkontakt
VDJ-Rekombination - Allgemein
VDJ-Rekombination – Allgemein
VDJ-Rekombination - Kombination Segmente
VDJ-Rekombination – Kombination Segmente
VDJ-Rekombination - Translation H-Kette L-Kette
VDJ-Rekombination – Translation H-Kette L-Kette

Antikörperklassen

KlasseStrukturFunktionBesonderheiten
IgMPentamer (Serum),
Monomer (BZR)
Frühe Immunantwort, starke KomplementaktivierungErster Antikörper bei Primärantwort; B-Zell-Rezeptor (Monomer)
IgGMonomerNeutralisation, Opsonierung, KomplementaktivierungHäufigster Ig im Serum; plazentagängig (Nestschutz)
IgAMonomer (Serum),
Dimer mit sekretorischer Komponente (Sekret)
Schleimhautschutzz. B. in Muttermilch, Tränen, Speichel; Sekretorische Komponente schützt vor proteolytischem Abbau
IgEMonomerParasitenabwehr, Allergische ReaktionenBindet an Mastzellen, Histaminfreisetzung
IgDMonomerFunktion unklarB-Zell-Rezeptor 
Antikörperklassen - Überblick
Antikörperklassen – Überblick
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Quellen

Alzheimer C. Physiologie: das Lehrbuch. 8th ed. (Speckmann E-J, Hescheler J, Köhling R, eds.). München: Elsevier; 2024.

Behrends JC, Bischofberger J, Deutzmann R, Ehmke H, Frings S. Physiologie. 4th ed. Stuttgart: Thieme; 2021. doi:10.1055/b000000462.

Pape H-C, Kurtz A, Silbernagl S, eds. Physiologie. 10th ed. Stuttgart ; New York: Thieme; 2023. doi:10.1055/b000000639.

Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und richten sich insbesondere an Studierende und Fachpersonal im Gesundheitswesen. Sie ersetzen nicht die Beratung, Diagnose oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte oder andere medizinische Fachpersonen.