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Milz

Anatomie / Organe

Die Milz (Splen, Lien) liegt intraperitoneal im linken Oberbauch direkt unter der linken Zwerchfellkuppel. Ihre Längsachse verläuft dabei ungefähr parallel zur 10. Rippe. Sie befindet sich in der Milznische und ist über Bänder wie dem Lig. gastrosplenicum und dem Lig. splenorenale. Physiologisch ist sie nicht tastbar und wird erst bei Vergrößerung unter dem Rippenbogen palpabel.

Arteriell wird die Milz über die A. splenica aus dem Truncus coeliacus versorgt und venös erfolgt der Abfluss über die V. splenica in das Pfortadersystem. Funktionell übernimmt die Milz die Blutzellmauserung (Abbau alter Erythrozyten/Thrombozyten) und ist als größtes lymphatisches Organ wichtig für die Immunabwehr.

Zusammenfassung

Lage

  • Im linken Oberbauch direkt unter der linken Zwerchfellkuppel
    • Atemverschieblich!
  • Längsachse ungefähr parallel zur 10. Rippe
  • Physiologisch nicht tastbar, erst bei Vergrößerung unter dem Rippenbogen palpabel

Lagebeziehungen Milz

  • Kranial: Zwerchfell
  • Kaudal: Linke Kolonflexur
  • Ventral: Magen 
  • Dorsal: Linke Niere
  • Medial: Pankreas

Peritonealverhältnisse und Bänder 

  • Intraperitoneal
  • Liegt in der Milznische → gebildet durch verschiedene Ligamente
    • Lig. gastrosplenicum verbindet Milz und Magen
    • Lig. splenorenale verbindet Milz mit der hinteren Leibeswand
    • Lig. phrenicocolicum bildet den Boden der Milznische und stabilisiert die Milzposition
Milz - Lage
Milz – Lage
Milz - Lagebeziehungen
Milz – Lagebeziehungen
Milz - Milznische
Milz – Milznische
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Aufbau

Allgemeines

  • Maße: 4 cm (Dicke) x 7 cm (Breite) x 11 cm (Länge)
  • Gewicht: 150 – 200 g 

💡 Merke: Kölnisch Wasser „4711“

Flächen

  • Facies diaphragmatica → Zwerchfell zugewandt
  • Facies visceralis → Nachbarorganen zugewandt
    • Facies renalis
    • Facies colica
    • Facies gastrica

Weitere wichtige Strukturen 

  • Hilum splenicum
  • Margo superior
  • Margo inferior
  • Extremitas anterior
  • Extremitas posterior

💡 Merke: Bei ca. 10 bis 20 Prozent der Menschen sind Nebenmilzen (Splen accessorius) vorhanden. Typisch am Hilum splenicum oder nahe des Pankreasschwanz.

Milz - Aufbau
Milz – Aufbau

Blutversorgung

Arteriell

  • A. splenica aus dem Truncus coeliacus
  • Charakteristisch stark geschlängelter Verlauf am Oberrand des Pankreas
  • Meist weitere Aufzweigung vor Eintritt ins Hilum splenicum

Venös

  • Abfluss über V. splenica
  • V. mesenterica inferior mündet in die V. splenica
  • V. splenica vereinigt sich mit der V. mesenterica superior zur V. portae hepatis
Milz - Blutversorgung
Milz – Blutversorgung
Milz - V. portae hepatis
Milz – V. portae hepatis
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Lymphabfluss

  • Lymphe fließt zunächst zu organnahen (regionären) Lymphknoten
    • Nll. splenici
  • Weiterer Abfluss über Trunci intestinales → Ductus thoracicus
Milz - Lymphabfluss
Milz – Lymphabfluss

Innervation

Sympathisch

  • Über Nn. splanchnici majores/minores
  • Umschaltung im Bereich des Truncus coeliacus (Ganglia coeliaca)
  • Wirkung: Vasomotorische Funktion (Regulation der Gefäßweite)

Parasympathisch

  • Unklar, ob es eine direkte parasympathische Innervation gibt
  • In der Literatur kontrovers diskutiert

Funktion

Blutzellmauserung

  • Abbau alter und deformierter Erythrozyten und Thrombozyten
  • Alte Erythrozyten werden unelastisch, bleiben in engen Milzräumen hängen und werden durch Makrophagen abgebaut
  • Lebensdauer Erythrozyten etwa 80 bis 100 Tage

Immunabwehr

  • Größtes lymphatisches Organ
  • Direkte Blutdurchströmung ermöglicht schnelle Immunantwort
  • Lymphozyten reagieren auf Antigene und Krankheitserreger

Pränatale Hämatopoese

  • Beim Fötus beteiligt an der Blutbildung
  • Nach Geburt keine wesentliche Rolle mehr

Klinische Relevanz Splenektomie

  • Vollständige Entfernung der Milz möglich → kein lebenswichtiges Organ
  • Funktionen können durch andere Organe kompensiert werden
  • OPSI-Syndrom („overwhelming post-splenectomy infection“)
    • Schwere Sepsis v.a. aufgrund von bekapselten Bakterien
    • Prophylaxe: Erneute Impfungen empfohlen (z.B. Meningokokken, Pneumokokken, HiB)
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Quellen

Aumüller G, Aust G, Engele J, et al. Anatomie. 5th ed. Stuttgart: Thieme; 2020. doi.org/10.1055/b-007-170976.Paulsen F, Waschke J, eds. Innere Organe. 25th ed. München: Elsevier; 2022.

Bommas-Ebert U, Teubner P, Voß R, Krahn V, Voß RM. Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie ; [mit Muskeltrainer]. 3rd ed. Stuttgart ; New York: Thieme; 2011.

Drenckhahn D, Waschke J, eds. Taschenbuch Anatomie. 3rd ed. München: Elsevier; 2020.

Gautron L. The parasympathetic innervation of the spleen: are we chasing a ghost?. J Anat. 2022;240(4):772-774. doi:10.1111/joa.13586

Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Innere Organe. 6th ed. Stuttgart ; New York: Georg Thieme Verlag; 2022.

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