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Befruchtung und Implantation

Embryologie / Embryogenese

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Die Befruchtung beginnt mit der Wanderung der Spermien durch den weiblichen Genitaltrakt. Im Eileiter durchlaufen sie eine funktionelle Reifung (Kapazitation), die sie zur Befruchtung befähigt. Nach dem Kontakt mit der Eizelle lösen sie durch Enzyme die Zellhüllen auf und ein einzelnes Spermium verschmilzt schließlich mit der Eizelle. Daraufhin wird ein Mechanismus ausgelöst, der weitere Spermien am Eindringen hindert (Polyspermieblock). Die Chromosomen des mütterlichen und väterlichen Vorkerns ordnen sich am Ende in einem gemeinsamen Spindelapparat an, und es entsteht die Zygote – die erste Zelle des neuen Organismus.

Während der Passage durch den Eileiter teilt sich die Zygote mehrfach, bis ein kompakter Zellverband (Morula) entsteht. Daraus entwickelt sich die Blastozyste, die sich etwa am 6. bis 7. Tag nach der Befruchtung in die Gebärmutterschleimhaut einnistet. Der Trophoblast, die äußere Zellschicht, dringt mithilfe von Enzymen in das Endometrium ein und ermöglicht so eine stabile Verankerung. Die innere Zellmasse (Embryoblast) wird später den Embryo bilden. Dieser Prozess legt den Grundstein für die weitere embryonale Entwicklung.

Zusammenfassung

Spermienmigration und Aktivierung

  • Ca. 200 – 300 Millionen Spermien gelangen nach Ejakulation in den weiblichen Genitaltrakt
  • Lockstoffe von der Eizelle ausgeschüttet
  • Befruchtung erfolgt typischerweise in der Ampulle des Eileiters

Kapazitation

  • Funktioneller Reifungsvorgang der Spermien im weiblichen Genitaltrakt
  • Entfernung von Glykoproteinen vom Spermienkopf
  • Umstrukturierung der Zellmembran
  • Ergebnis:
    • Zunahme der Beweglichkeit
    • Akrosomenreaktion im Verlauf möglich (siehe unten)

Ablauf der Befruchtung

Durchdringung der Corona radiata

  • Corona radiata = Ansammlung von Granulosazellen um die Eizelle
  • Spermien durchdringen als erstes die Corona radiata der Eizelle
    • Ermöglicht durch freigesetztes Enzym (Hyaluronidase)

Akrosomenreaktion

  • Wird durch Bindung an ZP3-Glykoproteine der Zona pellucida ausgelöst
  • Enzyme wie Acrosin werden freigesetzt
  • Diese Enzyme ermöglichen das Durchdringen der Zona pellucida
Ablauf Befruchtung - Akrosomenreaktion
Ablauf Befruchtung – Akrosomenreaktion

Fusion der Zellmembranen

  • Spermium gelangt in den perivitellinen Spalt
  • Hier verschmelzen Membranen der Eizelle und Spermium
  • Inhalt des Spermiums zunächst in Zytoplasma der Eizelle aufgenommen
    • Inhalt Hals- und Schwanzbereich degenerieren im Verlauf
    • Kopfbereich mit Erbinformation bleibt erhalten

Polyspermieblock

  • Zeitpunkt: nach der ersten Verschmelzung mit einem Spermium
  • Verhindert das Eindringen weiterer Spermien
  • Ablauf:
    • Ausgelöst durch wellenförmigen Calciumanstieg in der Eizelle
    • Ausschüttung von Granula in den perivitellinen Spalt
    • Veränderung der Glykoproteine der Zona pellucida 
    • Dadurch keine weitere Spermienbindung sowie Akrosomenreaktion möglich
Ablauf Befruchtung - Polyspermieblock
Ablauf Befruchtung – Polyspermieblock

Bildung der Zygote

  • Nach Eintritt des Spermiums → Abschluss der Meiose II der Eizelle
    • Erkennbar an Ausbildung eines weiteren Polkörperchens
  • Bildung von männlichem und weiblichem Vorkern
    • Beinhalten die haploiden (1n) Chromosomensätze von Vater und Mutter
    • Zunächst 1n1C → Nach Verdopplung der DNA 1n2C
  • Auflösung der Kernhüllen der Vorkerne 
  • Chromosomen väterlicher und mütterlicherseits lagern sich in gemeinsamen Spindelapparat an
  • Dadurch Zygote entstanden (= erste diploide Zelle eines neuen Organismus)
Ablauf Befruchtung - Vorkernbildung (1n1c)
Ablauf Befruchtung – Vorkernbildung (1n1c)
Ablauf Befruchtung - Vorkernbildung (1n2c)
Ablauf Befruchtung – Vorkernbildung (1n2c)
Ablauf Befruchtung - Bildung der Zygote
Ablauf Befruchtung – Bildung der Zygote
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Frühentwicklung

Während der Passage durch den Eileiter → Furchungsteilungen:

  • 2-Zell-, 4-Zell-, 8-Zell-Stadium etc.
  • Es entstehen Blastomere
  • Zellgröße nimmt ab, Gesamtvolumen bleibt durch Zona pellucida konstant
Einnistung im Uterus - Passage durch Eileiter
Einnistung im Uterus – Passage durch Eileiter

Morula:

  • Stadium mit ca. 16–32 Zellen
  • Kompakter Zellhaufen, noch ohne Höhle
  • Zona pellucida verhindert frühzeitige Einnistung im Eileiter

Blastozyste:

  • Im Uterus → Flüssigkeitseinstrom in Zellzwischenräume → Bildung der Blastozystenhöhle
  • Embryoblast: differenziert sich zu sämtliche Strukturen und Organen des Kindes
  • Trophoblast: bildet embryonale Anteile der Plazenta
  • Zona pellucida löst sich auf → Voraussetzung für die Einnistung (Implantation)
Blastozyste - Aufbau
Blastozyste – Aufbau
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Einnistung in die Uterusschleimhaut

  • Zeitpunkt: ca. 6. – 7.  Tag nach der Befruchtung
  • Blastozyste haftet mit dem Embryonalpol an der Uterusschleimhaut (Endometrium)
  • Ort der Implantation: i.d.R. Hinterwand des Uterus
  • Trophoblast differenziert sich in:
    • Zytotrophoblast: Zellschicht mit Zellgrenzen
    • Synzytiotrophoblast: mehrkernige, invasive Zellmasse ohne Zellgrenzen
  • Dringt mithilfe proteolytischer Enzyme (ausgehend vom Synzytiotrophoblast) in das Endometrium ein
  • Der Keim ist nun fest mit dem Uterus verbunden und kann sich weiter differenzieren
Ablauf Einnistung - Differenzierung Trophoblast
Ablauf Einnistung – Differenzierung Trophoblast
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Quellen

Aumüller G, Aust G, Engele J, et al. Anatomie. 5th ed. Stuttgart: Thieme; 2020.

embryology.ch. Befruchtung. In: Human-Embryologie. Modul 4. Zugriff am 07. Juli 2022. Verfügbar unter: Link

embryology.ch. Vorimplantation. In: Human-Embryologie. Modul 5. Zugriff am 07. Juli 2022. Verfügbar unter: Link

Moore KL, Persaud TVN, Torchia MG. Embryologie: Entwicklungsstadien, Frühentwicklung, Organogenese, Klinik. 6th ed. München: Elsevier, Urban & Fischer; 2013.

Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und richten sich insbesondere an Studierende und Fachpersonal im Gesundheitswesen. Sie ersetzen nicht die Beratung, Diagnose oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte oder andere medizinische Fachpersonen.