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Neurulation

Embryologie / Organogenese

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Die Neurulation ist ein grundlegender Vorgang der Embryonalentwicklung, bei dem sich aus dem Ektoderm das Neuralrohr sowie die Neuralleistenzellen entwickeln. Das Neuralrohr gibt später Ursprung für das zentrale Nervensystem, während die Neuralleistenzellen an der Entstehung des peripheren Nervensystems und weiterer Strukturen beteiligt sind. Die Bildung wird durch Signale der Chorda dorsalis ausgelöst, die zur Ausbildung der Neuralplatte führt. Deren Ränder wölben sich zu Neuralfalten auf, senken sich ein und verschmelzen schließlich zur Neuralrinne. Aus dieser entsteht durch weiteren Umbau das Neuralrohr, während sich an den Rändern Zellen abschnüren, die als Neuralleistenzellen bezeichnet werden.

Der Verschluss des Neuralrohrs beginnt in der Mitte des Embryos und schreitet nach kranial und kaudal fort. Der Neuroporus anterior schließt sich am 24. bis 25. Tag (p.c.), der Neuroporus posterior am 26. bis 27. Tag der Entwicklung. Kommt es dabei zu Störungen, können schwerwiegende Fehlbildungen entstehen, etwa Spina bifida oder Meroanenzephalie. Ein Mangel an Folsäure gilt als eine der häufigsten Ursachen, weshalb die frühzeitige Supplementierung bereits vor der Schwangerschaft empfohlen wird.

Zusammenfassung

Definition

  • Neurulation = Bildung des Neuralrohrs und Neuralleistenzellen
    • Spätere Differenzierung zum zentralen und peripheren Nervensystem
  • Beginn: Ca. 3. Entwicklungswoche (p.c.) 
  • Ende: Ca. 4. Entwicklungswoche (p.c.)
  • Ausgangspunkt ist die dreiblättrige Keimscheibe (Ektoderm spielt entscheidende Rolle)

Induktion der Neurulation

  • Einleitung der Neurulation durch die Chorda dorsalis (aus Mesoderm)
    • Entsteht aus dem Chordafortsatz (vorübergehende Struktur)
    • Induziert das darüberliegende Ektoderm mittels Signalmolekülen
  • Ergebnis: Bildung der Neuralplatte
  • Im Verlauf: Chorda dorsalis differenziert sich zum Nucleus pulposus (Bandscheibe)
Induktion durch die Chorda dorsalis
Induktion durch die Chorda dorsalis
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Ablauf der Neurulation

Ausbildung der Neuralplatte

  • Bestehend aus Neuroektoderm
  • An den Rändern der Neuralplatte befinden sich die Neuralleisten

Umformung zur Neuralrinne mit Neuralfalten

  • Neuralrinne → Einsenkung der Neuralplatte in der Mitte
  • Neuralfalten → Vorwölbung der lateralen Ränder

Ausbildung des Neuralrohrs

  • Neuralfalten nähern sich an und verschmelzen
  • Oberflächenektoderm darüber verschließt sich 
  • Entstandene Strukturen: 
    • Neuralrohr
    • Neuralleistenzellen
Bildung der Neuralplatte
Bildung der Neuralplatte
Umformung zur Neuralrinne
Umformung zur Neuralrinne
Bildung des Neuralrohrs und der Neuralleistenzellen
Bildung des Neuralrohrs und der Neuralleistenzellen

Verschluss der Neuralrohrs

  • Die Verschmelzung der Neuralfalten beginnt mittig im embryonalen Bereich 
  • Anschließend erfolgt der Verschluss in Richtung Peripherie
  • Ergebnis: Zunächst bleiben zwei offene Enden übrig, die sich zeitversetzt verschließen
    • Neuroporus anterior: Verschluss am Tag 24 – 25 (p.c.)
    • Neuroporus posterior: Verschluss am Tag 26 – 27 (p.c.) 
    • 💡 Merkhilfe: Weihnachten (24.–27. Dezember)
Verschluss des Neuralrohr
Verschluss des Neuralrohr
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Derivate Neuralrohr & Neuralleistenzellen

Derivate des Neuralrohrs

  • Gehirn 
  • Rückenmark

Derivate der Neuralleistenzellen

  • Neurone & Gliazellen des peripheren Nervensystems
  • Schwann-Zellen
  • Spinalganglien
  • Ganglien des vegetativen Nervensystems
  • Melanozyten 
  • Chromaffine Zellen (Nebennieremark)
  • Anteile der Herzanlage (Septierung der Ausflussbahn)

Neuralrohrdefekte

  • Entstehen bei gestörtem Verschluss des Neuralrohrs
  • Mögliche Ursachen:
    • Folsäuremangel
    • Alkohol 
    • Medikamente (Antiepileptika)
  • Prävention: Folsäure-Supplementation bereits vor der Konzeption (bis zu 12. SSW)

Gestörter Verschluss des Neuroporus anterior

  • Meroanenzephalie
    • Nur rudimentäres Gehirn angelegt (oft nur Hirnstamm)
    • Fehlbildung des Gehirnschädels

Gestörter Verschluss des Neuroporus posterior

  • Spina bifida occulta:
    • Wirbelbogen nicht geschlossen
    • Rückenmark intakt, oft asymptomatisch
    • evtl. Haarbüschel/Pigmentstörung lumbal
  • Spina bifida cystica:
    • Meningozele: nur Meningen vorgewölbt
    • Myelomeningozele: Meningen + Rückenmark verlagert
    • Mögliche Symptome je nach Schädigungsgrad: Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Blasen- & Mastdarmfunktionsstörungen
Spina bifida - Übersicht
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Quellen

Aumüller G, Aust G, Engele J, et al. Anatomie. 5th ed. Stuttgart: Thieme; 2020.

embryology.ch. Nervensystem. In: Human-Embryologie. Modul 22. Zugriff am 02. August 2022. Verfügbar unter: Link

Moore KL, Persaud TVN, Torchia MG. Embryologie: Entwicklungsstadien, Frühentwicklung, Organogenese, Klinik. 6th ed. München: Elsevier, Urban & Fischer; 2013.

Hinweis

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