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Dickdarm

Anatomie / Organe

Der Dickdarm (Intestinum crassum) ist der letzte Abschnitt des Verdauungstrakts und gliedert sich in Caecum mit Appendix vermiformis, Colon ascendens, Colon transversum, Colon descendens, Colon sigmoideum sowie Rectum und Analkanal. Äußerlich ist er durch drei charakteristische Merkmale vom Dünndarm zu unterscheiden: die Taeniae coli, die Haustren mit den Plicae semilunares coli sowie die Appendices epiploicae.

Funktionell übernimmt der Dickdarm die Rückresorption von Wasser und Elektrolyten aus dem täglich eintreffenden Darminhalt und dickt diesen so zum Stuhl ein. Der Darminhalt wird durch langsame, unregelmäßige Bewegungen vorwärtsbewegt und im Colon sigmoideum zwischengespeichert, bis der Defäkationsreflex ausgelöst wird. Darüber hinaus ist der Dickdarm an der Immunabwehr beteiligt und beherbergt das Mikrobiom.

Zusammenfassung

Lage

  • Umrahmt den Dünndarm von außen
  • Großteil des Dickdarms im Unterbauch
  • Rektum im Bereich des kleinen Beckens

Lage der Appendix vermiformis

  • Retrozäkal (hinter dem Caecum): ca. 65 % der Fälle
  • Senkrecht ins kleine Becken: ca. 30 % der Fälle

💡 Merke: Die Lagevariante der Appendix beeinflusst z. T., wo Personen bei einer Appendizitis Schmerzen wahrnehmen

Dickdarm - Peritonealverhältnisse
Dickdarm – Peritonealverhältnisse
Appendix vermiformis - Lagevarianten
Appendix vermiformis – Lagevarianten

Aufbau

Allgemeines

  • Länge: ca. 1,5 m
  • Aufbau in verschiedenen Abschnitten

Abschnitte

  • Caecum (Blinddarm)
  • Appendix vermiformis (Wurmfortsatz)
  • Colon ascendens (Aufsteigender Grimmdarm)
  • Colon transversum (Querverlaufender Grimmdarm)
  • Colon descendens (Absteigender Grimmdarm)
  • Colon sigmoideum (Sigma, Sigmoid)
  • Rektum (Mastdarm)
  • Canalis analis (Analkanal)

Krümmungen

  • Flexura coli dextra (Rechte Kolonflexur)
  • Flexura coli sinistra (Linke Kolonflexur)
    • Liegt höher (auf der rechten Seite befindet sich die Leber!)
Dickdarm - Aufbau
Dickdarm – Aufbau

Anatomische Besonderheiten (Unterscheidung zu Dünndarm)

1) Taeniae coli (Tänien): 
Drei kräftige Längsmuskelstreifen, da die Längsmuskelschicht nicht gleichmäßig verteilt ist

  • Taenia libera – von außen frei sichtbar
  • Taenia omentalis – Ansatz des Omentum majus (Großes Netz)
  • Taenia mesocolica – Ansatz des Mesocolon

2) Haustra coli (Haustren) und Plicae semilunares coli:

  • Haustra coli: regelmäßige erschlaffte Ausbuchtungen → typisches gegliedertes Aussehen des Dickdarms
  • Plicae semilunares coli: halbmondförmige Einschnürungsfalten zwischen den Haustren; entstehen dynamisch bei Muskelanspannung

3) Appendices epiploicae:
Kleine, fettgefüllte Anhängsel an der Außenwand des Dickdarms

💡 Merke: Anatomische Besonderheiten nicht an allen Abschnitten des Dickdarms gleichmäßig vorhanden → Fehlen z. B. am Rektum bzw. Appendix vermiformis

Dickdarm - Anatomische Besonderheiten
Dickdarm – Anatomische Besonderheiten
Dickdarm - Tänien
Dickdarm – Tänien

Ileozäkalklappe (Bauhin-Klappe)

  • Terminales Ileum mündet seitlich in das Caecum 
  • Klappe funktioniert als Ventil: verhindert Rückfluss des bakterienbesiedelten Dickdarminhalts in den Dünndarm

Appendix vermiformis

  • Hängt am blinden Ende des Caecums
  • Wand enthält viele Lymphfollikel → aktive Beteiligung an der Immunabwehr
Dickdarm - Ileozäkalklappe
Dickdarm – Ileozäkalklappe
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Blutversorgung

Arteriell
Entwicklungsgeschichtliche Aufteilung in rechten und linken Abschnitt:

  • „Rechter Dickdarm“: A. mesenterica superior (AMS)
    • A. ileocolica → Caecum, Appendix
    • A. colica dextra → Colon ascendens
    • A. colica media → Colon transversum
  • „Linker Dickdarm“: A. mesenterica inferior (AMI)
    • A. colica sinistra → Teil Colon transversum + Colon descendens
    • Aa. sigmoideae → Colon sigmoideum
    • A. rectalis superior → Oberes Rektum

Anastomosen

  • Riolan-Anastomose: Verbindung zwischen A. colica media (AMS) und A. colica sinistra (AMI) → darmfern
  • Drummond-Anastomose: Weitere Verbindung zwischen A. colica media (AMS) und A. colica sinistra (AMI) → darmwandnah

Venös

  • Venen verlaufen parallel zu den gleichnamigen Arterien
  • V. mesenterica superior: drainiert rechten Anteil des Dickdarms
  • V. mesenterica inferior: drainiert linken Anteil des Dickdarms
  • Beide münden direkt bzw. indirekt in die V. portae hepatis → Leber
Dickdarm - Blutversorgung Schemazeichnung
Dickdarm – Blutversorgung Schemazeichnung
Dickdarm - Blutversorgung
Dickdarm – Blutversorgung
Dickdarm - Blutversorgung Anastomosen
Dickdarm – Blutversorgung Anastomosen
Dickdarm - V. portae hepatis
Dickdarm – V. portae hepatis
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Lymphabfluss

„Rechter Dickdarm“

  • Organnahe Lymphknoten (neben den gleichnamigen Arterien)
  • Weiterleitung zu Lymphknoten im Bereich der AMS (Nll. mesenterici superiores)
  • Abfluss über Trunci intestinales → Ductus thoracicus

„Linker Dickdarm“

  • Organnahe Lymphknoten (neben den gleichnamigen Arterien)
  • Weiterleitung zu Lymphknoten im Bereich der AMI (Nll. mesenterici inferiores)
  • Abfluss über Truncus lumbalis sinister → Ductus thoracicus
Dickdarm - Lymphabfluss
Dickdarm – Lymphabfluss

Innervation

Cannon-Böhm-Punkt

  • Unscharf abgrenzbarer Bereich kurz vor der linken Kolonflexur
  • Markiert den Wechsel der vegetativen Innervation des Dickdarms

„Rechter Dickdarm“ (vor dem Cannon-Böhm-Punkt)

  • Sympathisch: Nn. splanchnici major/minor → Umschaltung am Ganglion mesentericum superius
  • Parasympathisch: N. vagus (Truncus vagalis posterior) → organnah umgeschaltet

„Linker Dickdarm“ (hinter dem Cannon-Böhm-Punkt)

  • Sympathisch: Nn. splanchnici lumbales → Umschaltung am Ganglion mesentericum inferius
  • Parasympathisch: Nn. splanchnici pelvici (sakrales Rückenmark) → organnah umgeschaltet

Wirkung vegetative Innervation

  • Sympathikus: hemmt Darmbewegung und Sekretion
  • Parasympathikus: fördert Darmbewegung und Sekretion („Rest and digest“)
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Funktion

Wasserrückresorption und Stuhleindickung

  • Hauptaufgabe: Rückresorption von Wasser und Elektrolyten
  • Täglich kommen ca. 1,5 L Flüssigkeit aus dem Dünndarm ins Caecum
  • Dickdarm dickt den Inhalt ein → nur ca. 100–200ml Flüssigkeit über Stuhl ausgeschieden

Speicherung

  • Langsamer, unregelmäßiger Transport des Darminhalts
  • Zwischenspeicherung hauptsächlich im Colon sigmoideum, bis Stuhlentleerung ausgelöst wird

Immunabwehr

  • Viele Lymphfollikel in der Darmwand, v. a. in Caecum und Appendix
  • Erkennung von Antigenen → Auslösung einer Immunantwort

Mikrobiom

  • Zahlreiche Bakterien zersetzen unverdaute Nahrungsbestandteile (z. B. Ballaststoffe)
  • Bildung von kurzkettigen Fettsäuren → Energiequelle für die Darmschleimhaut
    • Stärkt die Darmbarriere und fördert Regeneration der Schleimhautzellen
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Quellen

Aumüller G, Aust G, Engele J, et al. Anatomie. 5th ed. Stuttgart: Thieme; 2020. doi.org/10.1055/b-007-170976.Paulsen F, Waschke J, eds. Innere Organe. 25th ed. München: Elsevier; 2022.

Bommas-Ebert U, Teubner P, Voß R, Krahn V, Voß RM. Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie ; [mit Muskeltrainer]. 3rd ed. Stuttgart ; New York: Thieme; 2011.

Drenckhahn D, Waschke J, eds. Taschenbuch Anatomie. 3rd ed. München: Elsevier; 2020.

Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Innere Organe. 6th ed. Stuttgart ; New York: Georg Thieme Verlag; 2022.

Hinweis

Die auf dieser Website bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und richten sich insbesondere an Studierende und Fachpersonal im Gesundheitswesen. Sie ersetzen nicht die Beratung, Diagnose oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte oder andere medizinische Fachpersonen.