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Hyperthyreose

Klinik / Innere Medizin

Die Hyperthyreose beschreibt eine Überfunktion der Schilddrüse mit einem Überschuss an T3 und T4. Die häufigsten Ursachen sind der M. Basedow, bei dem Autoantikörper (TRAK) den TSH-Rezeptor dauerhaft stimulieren, sowie die Schilddrüsenautonomie. Typische klinische Symptome sind Tachykardie, Gewichtsverlust trotz gesteigertem Appetit, Nervosität, Wärmeintoleranz und Tremor. Beim Morbus Basedow kann zusätzlich ein Exophthalmus (Hervortreten der Augen aus der Augenhöhle) auftreten.

Der zentrale Screeningparameter ist der TSH-Wert, der bei einer Hyperthyreose typischerweise erniedrigt ist. Zur weiteren Differenzierung werden fT3 und fT4 sowie die TRAK-Antikörper bestimmt. Die Therapie beginnt stets mit Thyreostatika (Mittel der Wahl: Thiamazol). Ggf. kann dann im Anschluss eine definitiven Behandlung mittels Operation oder Radioiodtherapie erfolgen.

Zusammenfassung

Definition

Hyperthyreose: Überfunktion der Schilddrüse mit gesteigerter Produktion von Schilddrüsenhormonen (T3/T4).

Latente Hypothyreose: TSH erniedrigt, fT3 und fT4 noch normal, klinisch meist asymptomatisch oder nur mild symptomatisch.

Manifeste Hypothyreose: TSH erniedrigt, fT3 und fT4 erhöht, klinische Symptome vorhanden. 

Epidemiologie

M. Basedow 

  • Inzidenz: ca. 40 pro 100.000 Personen/Jahr
  • Zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr
  • Frauen etwa 5-mal häufiger als Männer

Schilddrüsenautonomie

  • Erkrankung des höheren Alters
  • Vorwiegend nach dem 50. Lebensjahr

Ätiologie & Pathophysiologie

M. Basedow 

  • Immunsystem bildet Antikörper gegen TSH-Rezeptor der Schilddrüsenzellen 
  • TRAK („TSH-Rezeptorautoantikörper“)
  • Wirken stimulierend auf die Schilddrüse → Produktion von Schilddrüsenhormonen ⬆️
  • TSH wird supprimiert, hat aber keinen hemmenden Effekt mehr
M. Basedow - Mechanismus
M. Basedow – Mechanismus
M. Basedow - Regelkreis
M. Basedow – Regelkreis

Schilddrüsenautonomie

  • Durch Mutationen im TSH-Rezeptor-Gen entstehen Bereiche, die sich der Steuerung durch TSH entziehen
  • Produzieren unkontrolliert Hormone
  • Plötzliche Verschlechterung oft durch externe Iodzufuhr (z. B. Kontrastmittel)
Schilddrüsenautonomie - Mechanismus
Schilddrüsenautonomie – Mechanismus

Weitere Ursachen 

  • Thyreoiditis (Entzündung der Schilddrüse): Bereits gespeicherte Schilddrüsen-hormone werden aus zerstörten Schilddrüsenzellen freigesetzt
  • Schwangerschaft: Schwangerschaftshormon (hCG) kann TSH-Rezeptor stimulieren
  • Medikamente: übermäßige Einnahme von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin), Amiodaron (Hoher Iodgehalt)
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Symptome

ZNS & Psyche

  • Allgemein: Innere Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen, Wärmeintoleranz und vermehrtes Schwitzen
  • Feinschlägiger Tremor, Muskelschwäche

Schilddrüse

  • Struma (Vergrößerung der Schilddrüse)

Herz-Kreislauf

  • Tachykardie
  • Arterielle Hypertonie
  • Herzrhythmusstörungen (z. B. Vorhofflimmern)

Metabolismus

  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Erhöhte Stuhlfrequenz/Diarrhö 

Dermatologisch

  • Warme, feuchte, weiche Haut
  • Dünnes Haar (ggf. Haarausfall)

💡 Merke: Merseburger Trias (Drei klassische Symptome des M. Basedow)

  • Exophthalmus (Hervortreten des Augapfels aus der Augenhöhle)
  • Struma
  • Tachykardie
Merseburger Trias
Merseburger Trias

Differentialdiagnosen

  • Drogenabusus (Kokain, Amphetamin, …) 
  • Psychose
  • Phäochromozytom (Meist gutartiger Tumor des Nebennierenmarks)
  • Menopause
  • Schwangerschaft
  • Malignom

Diagnostik

Labor

  • TSH: zentraler Screeningparameter → normaler TSH schließt Hyperthyreose praktisch aus
  • fT3 und fT4: Bestimmung bei erhöhtem TSH → unterscheidet latente von manifester Hyperthyreose
    • Wichtig: In ~15 % der Fälle liegt im Frühstadium eine isolierte T3-Hyperthyreose vor (fT4 noch normal)
  • Bestimmung von Schilddrüsenantikörper
    • TRAK („TSH-Rezeptorautoantikörper“): Bei M. Basedow ca. 95 % positiv
    • TPO-Antikörper („Thyreoidale Peroxidase“): Bei M. Basedow ca. 70 % positiv
Hyperthyreose - Diagnostik
Hyperthyreose – Diagnostik

Bildgebung

  • Schilddrüsen-Sonographie: bei Morbus Basedow z. B. gesteigerte Durchblutung darstellbar
  • Szintigraphie: bei Knotenbildung oder unklarem Ultraschallbefund
    • M. Basedow: gleichmäßig gesteigerte Aufnahme
    • Schilddrüsenautonomie: ein oder mehrere Bereiche mit gesteigerter Aktivität („heißer Knoten“)
Hyperthyreose - Szintigraphie
Hyperthyreose – Szintigraphie
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Therapie

Übergeordnetes Prinzip

  • Jede manifeste Hyperthyreose wird zunächst mit Thyreostatika auf eine Euthyreose eingestellt
  • Anschließend erfolgt ggf. eine definitive Therapie (Operation/Radioiodtherapie)
Hyperthyreose - Therapie allgemein
Hyperthyreose – Therapie allgemein

Medikamentöse Therapie

  • Thyreostatika: Hemmung der Hormonbildung in der Schilddrüse
    • Mittel der ersten Wahl: Thiamazol
  • Unselektive Betablocker z. B. Propranolol: symptomatische Therapie 

Besonderheiten je nach Ursache

  • Morbus Basedow: nach 12–18 Monaten Auslassversuch der Thyreostatika; ~50–60 % erreichen dauerhafte Remission; bei Rückfall: definitive Therapie
  • Schilddrüsenautonomie: aufgrund hohem Rezidivrisiko grundsätzlich definitive Therapie empfohlen
M. Basedow - Therapie
M. Basedow – Therapie

Operative Therapie

  • M. Basedow: meist totale Thyreoidektomie (vollständige Entfernung der Schilddrüse) 
  • Schilddrüsenautonomie: je nach Anzahl und Verteilung der Knoten Hemithyreoidektomie  (Teilentfernung der Schilddrüse) oder totale Thyreoidektomie
  • Indikationen
    • Sehr große Schilddrüse 
    • Verdrängungserscheinungen
    • Malignitätsverdacht

Radioiodtherapie

  • Allgemein: Radioaktives Iod-131 wird gezielt aufgenommen und zerstört überaktives Schilddrüsengewebe „von innen“
  • Wirkung setzt erst nach 2–3 Monaten vollständig ein
  • Kontraindikationen
    • Schwangerschaft
    • Stillzeit
    • Wachstumsalter
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Komplikationen

Thyreotoxische Krise

Definition: akute lebensbedrohliche Entgleisung (hohe Letalität: > 20%)

Auslöser: 

  • Jodhaltiges Kontrastmittel (bei vorbestehender Autonomie)
  • Schwere Infektionen/Operationen bei nicht eingestellter Hyperthyreose

Klinik: 

  • Hohes Fieber
  • Tachykardie
  • Bewusstseinsstörungen bis Koma
  • Kreislaufversagen

Prognose

Sobald Euthyreose erreicht: 

  • Rasche Besserung der Symptome 
  • Sterblichkeit auf Niveau der Allgemeinbevölkerung 
  • Defektheilungen (z. B. bleibender Exophthalmus) jedoch möglich 

Nach einer operativen Therapie bzw. Radioiodtherapie ist eine Einnahme von Schilddrüsenhormonen ggf. notwendig

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Quellen

Allelein S. Innere Medizin hoch2. 1st ed. (Girndt M, Michl P, eds.). München: Elsevier; 2023.

Arastéh K, Baenkler H-W, Bieber C, et al. Innere Medizin. 5th ed. Stuttgart: Thieme; 2024.

Braun J, Dormann A. Klinikleitfaden Innere Medizin. 16th ed. (Braun J, Dormann A, eds.). München: Elsevier; 2026. doi:10.1016/C2022-0-02843-9.

Herold G. Innere Medizin: eine vorlesungsorientierte Darstellung : 2025 : unter Berücksichtigung des Gegenstandskataloges für die Ärztliche Prüfung : mit ICD 10-Schlüssel im Text und Stichwortverzeichnis. (Herold G, Beckers H, Lehmann K, eds.). Köln: Gerd Herold; 2025.

Wiersinga WM, Poppe KG, Effraimidis G. Hyperthyroidism: aetiology, pathogenesis, diagnosis, management, complications, and prognosis. Lancet Diabetes Endocrinol. 2023;11(4):282-298. doi:10.1016/S2213-8587(23)00005-0

Hinweis

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