Die arterielle Hypertonie ist eine chronische Erhöhung des Blutdrucks auf Werte ab 140/90 mmHg und damit eine echte Volkskrankheit: In den Industrieländern sind etwa 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen betroffen, mit steigender Häufigkeit im höheren Lebensalter. In rund 90 Prozent der Fälle handelt es sich um eine primäre Hypertonie ohne fassbare Einzelursache, bei der Lebensstilfaktoren wie Übergewicht, hoher Kochsalzkonsum und Bewegungsmangel eine zentrale Rolle spielen. Die selteneren sekundären Formen, etwa durch ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom oder eine Nierenarterienstenose, sind dafür umso beliebter in Prüfungen. Tückisch ist der oft jahrelang asymptomatische Verlauf, der der Erkrankung den Beinamen „Silent Killer“ eingebracht hat.
Gesichert wird die Diagnose nicht über eine einzelne Praxismessung, sondern bevorzugt über eine ambulante Langzeitmessung oder eine strukturierte häusliche Selbstmessung mit Blutdrucktagebuch. Anamnese, körperliche Untersuchung, Labor und EKG dienen anschließend dazu, die Form der Hypertonie einzuordnen sowie kardiovaskuläres Risiko und bestehende Organschäden zu erfassen. Therapeutische Basis sind Lebensstilveränderungen, ergänzt durch eine medikamentöse Behandlung nach dem A-B-C-D-Schema, meist als niedrig dosierte Zweifachkombination in einer einzigen Tablette. Bleibt der Blutdruck unbehandelt, drohen Endorganschäden an Herz, Gehirn, Niere und Auge, während der hypertensive Notfall als akute Entgleisung eine sofortige, aber kontrollierte Blutdrucksenkung erfordert.
Zusammenfassung
Definition
Arterielle Hypertonie: Chronische Erhöhung des arteriellen Blutdrucks. Die Diagnose wird ab Praxiswerten von 140/90 mmHg und höher gestellt.
Erhöhter Blutdruck (ESC 2024): Praxiswerte von 120 bis 139 mmHg systolisch und 70 bis 89 mmHg diastolisch. Noch keine manifeste Hypertonie, aber bereits behandlungsrelevant.
Isolierte systolische Hypertonie: Nur der systolische Wert ist erhöht, der diastolische Wert bleibt normwertig. Typisch im höheren Lebensalter.

Epidemiologie
Symptome
Verlauf
- Oft über viele Jahre völlig asymptomatisch, daher die Bezeichnung „Silent Killer“
- Diagnose häufig als Zufallsbefund oder erst über klinisch auffällige Organkomplikationen
Unspezifische Beschwerden
- Kopfschmerzen
- Rasche Ermüdbarkeit
- Schwindel und Ohrensausen
- Herzklopfen
- Nasenbluten
💡 Beachte: Weil Betroffene den hohen Blutdruck in der Frühphase kaum wahrnehmen, ist die Motivation für eine Therapie zu Beginn häufig gering.
Diagnostik
Therapie
Lebensstilveränderung
- Basis jeder Behandlung, sowohl bei erhöhtem Blutdruck als auch bei bestätigter Hypertonie
- Gewichtsnormalisierung, regelmäßiges Ausdauertraining, ausgewogene Kost, Verzicht auf das Rauchen
- Kochsalzbeschränkung auf maximal etwa 5 g pro Tag, da viele Betroffene salzsensitiv sind
Medikamentöse Therapie
Komplikationen
Hypertoniebedingte Endorganschäden entstehen, wenn der erhöhte Druck über Jahre auf den Körper einwirkt.
| Organsystem | Schädigung |
| Herz | Linksherzhypertrophie und -insuffizienz, Koronare Herzkrankheit (KHK),Myokardinfarkt |
| Gefäße | Arteriosklerose, pAVK, Aortenaneurysma/-dissektion |
| Gehirn | Schlaganfall, Vaskuläre Demenz, Intrakranielle Blutungen |
| Niere | Hypertensive Retinopathie |
| Auge | Hypertensive Retinopathie |
Hypertensiver Notfall
Quellen
Arastéh K, Baenkler H-W, Bieber C, et al. Innere Medizin. 5th ed. Stuttgart: Thieme; 2024.
Braun J, Müller-Wieland D, eds. Basislehrbuch Innere Medizin. 7th ed. München: Elsevier; 2022.
Herold G. Innere Medizin: eine vorlesungsorientierte Darstellung : 2025 : unter Berücksichtigung des Gegenstandskataloges für die Ärztliche Prüfung : mit ICD 10-Schlüssel im Text und Stichwortverzeichnis. (Herold G, Beckers H, Lehmann K, eds.). Köln: Gerd Herold; 2025.
McEvoy JW, McCarthy CP, Bruno RM, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. Eur Heart J. 2024;45(38):3912-4018. doi:10.1093/eurheartj/ehae178
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Erstellt und geprüft von Dr. med. Michael Thapa, approbierter Arzt · Zuletzt aktualisiert am 11.09.2026
